Produktionsnotizen "Polska Love Serenade"
von Monika Anna Wojtyllo
„Polska Love Serenade“ ist im Rahmen einer HFF-Potsdam/Arte Werkstatt mit Rosa v. Praunheim entstanden. Ziel der Werkstatt war es Langfilme zu entwickeln und umzusetzen, um die Arbeit mit einem Fernsehsender kennen zu lernen.
Ich bin mit der Idee zu „Polska Love Serenade“ recht spät zur Gruppe dazu gestoßen, habe aber mit der Arte-Redakteurin Barabara Häbe und meiner betreuenden Professorin Helke Misselwitz zwei hilfsbereite und starke Persönlichkeiten kennen gelernt, die mir geholfen haben die spitzen Klippen der Produktion recht unbeschadet zu umschiffen.
Da wir uns entscheiden konnten ob wir den Film nach einem Exposé auf Improvisationsbasis oder einer Drehbuchvorlage realisieren wollten, holte ich den deutschen Drehbuchautoren Jonas Grosch ins Team. Er schrieb anhand meines Exposés innerhalb einer Woche (!!) die erste Fassung des Buches. Ich war begeistert. Das Besondere daran war, das er selbst noch nie in Polen gewesen ist und somit all die kleinen Vorurteile mitbrachte, die auch die beiden Hauptfiguren den Polen gegenüber zu Beginn des Filmes hegen.
Mit der ersten Buchfassung begann ich ein Team für den Film zusammenzustellen. Moritz Wessendorff von Heimatmedien übernahm die Produktionsleitung. Tatkräftig unterstützt wurde er von Aleksandra Kuzminska Wojtyllo - meiner Mutter – die sich bereit erklärte ihre polnischen Kontakte zu mobilisieren und uns insbesondere mit den Motiven und Drehgenehmigungen in Polen zu helfen. Da sie selbst schon lange im Filmbereich tätig ist, übernahm auch das Casting der polnischen Schauspieler. Aufgrund des geringen Produktionsbudgets spannten wir meine ganze polnische Familie ein. Tanten, Onkel, Cousinen, Cousins und Großmütter – alle mussten helfen. Mein Vater Ryszard Wojtyllo, selbst Schauspieler und Theaterregisseur bekam die Rolle des Bürgermeisters. Meine Cousins - die allerdings noch nie gespielt hatten - die Rollen seiner Gehilfen. Tanten und Onkel und Cousinen wurden für kleine Rollen am Weihnachtsabend besetzt.
Dennis Pauls, ebenfalls Student an der HFF wurde als Kameramann eingespannt. Armin Mark Mobasseri für das Making-Of und die Second Unit Kamera. Die Szenografie übernahm Peter Wolf der bereits Erfahrung mit Dreharbeiten in Polen hatte und für das Kostüm konnten wir die Nina Traiser gewinnen.
Für die zweiten Fassung konfrontierten Jonas und ich die deutschen Protagonisten mit meinen polnischen Figuren. Dazu fuhren wir gemeinsam auf Recherchetour nach Schlesien. Leider mussten wir den Aufenthalt verkürzen. Der plötzliche Wintereinbruch hinderte uns daran die geplanten Motive zu erreichen. Ich parkte das geliehene Auto auf noch galant im Graben. Gott sei Dank ohne weitere Folgen. Aber wir waren uns sicher: Tiefschnee in Polen – Kein Problem - Wir würden den Film in der traumhaftesten Märchenwinterlandschaft drehen können.
So schrieben wir die zweite Fassung also in Berlin. Jonas kümmerte sich um die Hauptfiguren und ich entwickelte die Dialoge für den polnischen Cast.
Es war Ende Dezember und wir drehten schließlich einen Weihnnachtsmärchen. Was bot sich da besser an, als Heiligabend bei meiner Familie in Breslau zuverbringen... Moritz, Dennis, Armin, Nina und ich fuhren also gesammelt in mittlerweile schneefreie Polen und ergatterten sogar einige dokumentarische Aufnahmen von der Mitternachtsmesse (die leider dem Schnitt zum Opfer fielen) sowie wunderbar kitschige Bilder von einem mechanischen Krippenspiel aus dem Breslauer Dom, welche nun das Kernstück unserer Serenade geworden sind.
Mitten in dieser Phase erfuhr ich, dass ich mit dem Film auch noch mein Diplom an der HFF machen müsste. Meine Studienzeit näherte sich dem Ende und die Zeit für ein weiteres Projekt an der HFF würde nicht mehr ausreichen.
Nun hieß es also ranklotzen. Wir begannen mit dem Casting der Hauptdarsteller.
Unter all den wunderbaren Schauspielern die wir baten Szenen aus dem Buch zu improvisieren, fanden wir zwei junge Perlen. Sebastian Schwarz und Claudia Eisinger. Damals beide noch mitten in der Ausbildung an der Ernst-Busch, aber perfekt für die Rollen von Max und Anna. Die Tatsache, dass die beiden in der gleichen Schauspielagentur wie ich waren, hatte zwar wirkllich keinerlei Auswirkung auf meine Entscheidung, machte die Sache aber noch familiärer als sie sowieso schon war. Ein gutes Omen also. Für die Rolle des polnischen Pfarrer konnten wir Christoph Leszczynski gewinnen. Meine Traumbesetzung, denn schon während des ersten Exposés tänzelte Christoph, mit dem ich bereits in „Hog Heaven” und „Kuckuck” zusammen gearbeitet habe, gedanklich über meine Tastatur. Die Schauspielerin Bozena Baranowska, sollte den Part von Frau Sobieska übernehmen. Auch sie kannte ich noch aus frühster Kindheit. Sigrid Siewior, die bereits als Muse in „Hog Heaven” ihrer Durchsetzungskraft bewiesen hatte, war perfekt für die Rolle der Dorf-Wirtin. Ein wunderbar schräges Ensemle.
Die dritte Buch-Fassung stand erst kurz vor den Dreharbeiten. Wir machten mit Peter, dem Szenografen und Moritz noch einen letzten Recherchetrip in der Region um Jelenia Gora und dann fiel auch schon die erste Klappe am Grenzübergang Görlitz. Das Team war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal komplett, denn der polnische Teil sollte erst in Jelenia Gora zu uns stoßen. Um den Original Ton kümmerte sich Zofia Golembiowska , die Maske übernahm Agnieszka Nowak, Patryzja Pochwat half als Produktionsassistentin. Set-AL wurde Jarek Nalewajko, der ebenfalls aus Warschau war. Die Sandfotografie übernahm Darek Gontarski. Als Oberbeleuchter sprang Jarek Bedyk, aus Lodz ein. Meine Regieassistentin Marta Swiderska konnte zwar leider nur ein paar Tage bleiben, war in dieser Zeit aber eine wundervolle Hilfe. Den polnischen Cast hatten wir bereits auch vollständig zusammen. Der polnische Serienstar Andrzej Galla spielte die Rolle des Hausherren „Jan Sobieski”, Lucja Burzynska wurde als „Oma Sobieski” besetzt, Henryka Baldy als Dorf-Oma und den Auftritt der „scharfen Tochter” bekam Malgorzata Sadowski.
Wunderbarerweise konnten wir Katharina Wackernagel für die Darstellung des Wodka-Königs gewinnen. Die Rolle war eigentlich für einen Mann geschrieben, aber Jonas und ich fanden, dass es eigentlich noch absurder wäre, wenn die Figur nicht nur weiblich wäre, sondern auch noch schwanger ist und Kette raucht.
Dummerweise waren die Tage unseres Rechercheaufenthaltes mit Jonas anscheinend die einzigen mit Schnee und Winterstimmung gewesen. Die Bauern erzählten uns der Klimawandel sei diese Jahr extrem spürbar. Obwohl es zu Weihnachten schon in den letzten Jahren nicht immer geschneit habe, sei in diesem Jahr sogar der schneesichere Februar ausgefallen. Es half also nichts. Wir schnippten den letzten Schneematsch aus den Bergen in blaue Müllsäcke und fuhren ihn runter nach Kzewie Wielkie, unserem Motiv für die Kneipe, um wenigstens am Anfang des Filmes etwas Schnee zu „spüren“. Diese Lösung war allerdings recht kurzfristig und so mussten wir die Tatsache der „Klimaveränderung“ in die Texte von Anna und Max einbauen. Eine Schneemaschine wäre teurer gewesen als unser gesamtes Produktionsbudget...
Die Dreharbeiten verliefen trotz fehlendem Schnees – der uns sicher die Logistik noch mehr erschwert hätte – zäh und mühselig. Die fiese, feuchte Kälte (die man leider nicht in den Bildern sehen kann) brachte nicht nur mir eine üble Bronchitis, sondern dem gesamten Team eine böse Grippe. Wir richteten ein Quarantäne-Zimmer in der Herberge ein. Doch auch das half nichts. Schließlich wurde alle krank, doch drehen mussten wir trotzdem. Auch das Abhärten mit Wodka half nicht mehr.
Die Sprachbarriere zwischen den Polen und Deutschen, war ebenfalls größer als anfänglich angenommen. Doch Kälte und Not verbindet und so entwickelte sich aus dem Deutsch-Polnischem Patchwork, schließlich doch ein - zwar chaotischer - aber hoch motivierter und lustiger Haufen. Da die Zeit für eine Auflösung nicht gereicht hatte, mussten Dennis und ich spontan Vorort entscheiden wie wir was drehen.
Der absurdeste Moment während der Produktion war wohl, als uns - zwei Tage vor dem Dreh - das Motiv der Polizeiwache weggebrochen ist. Die „Dynamische Politik“ in Polen ist eben etwas „dynamisch“. Es hieß also schnell handeln. Geld für andere Uniformen gab es nicht, Nachbauen des Sets wäre finanziell und zeitlich ebenfalls nicht gegangen. Was tun? Das Problem an der Sache war das die polnischen Schauspieler, die die Polizisten gegeben sollten, kein Wort Deutsch sprachen. Tadeusz Wnuk, Jacek Grondowy und Robert Dudzik vom Theater in Jelenia Gora, hatten die Texte wochenlang phonetisch auswendig gelernt. Textänderungen waren also nicht drin. So steckten wir sie schließlich in Anzüge und drehten die Szene auf einem „Kohle-Schrottplatz“ ähnlichem Set. Aus den Polizisten wurden Schutzmänner....im weitesten Sinne....die Texte aber blieben , bis auf einen neuen Satz den Tadeusz Wnuk von einem Zettel (den wir an die Brust von Sebastian Schwarz getaped haben) abgelesen hat, die selben. Im nach hinein war das super für den Film. Und was nicht tötet, härtet bekanntlich ab.
Alles in allem war vielleicht die Geschichte des Filmes nicht improvisiert, dafür aber ihrer ganze Entstehung und insbesondere die Dreharbeiten. Vielleicht war ist dies der Grund, weshalb der Film nun eine, in der deutschen Kinolandschaft leider seltene, Frische und Leichtigkeit besitzt. Ich liebe „Polska Love Serenade“ eben für diese unprätentiöse und charmante, durch die geringen Produktionsmittel natürlich auch etwas kantige, dafür aber ehrliche und herzliche Atomsphäre.
Und...den nächsten Spielfilm...den drehe ich nicht unter 1.000.000 Euro. ;)
„Polska Love Serenade“ ist im Rahmen einer HFF-Potsdam/Arte Werkstatt mit Rosa v. Praunheim entstanden. Ziel der Werkstatt war es Langfilme zu entwickeln und umzusetzen, um die Arbeit mit einem Fernsehsender kennen zu lernen.
Ich bin mit der Idee zu „Polska Love Serenade“ recht spät zur Gruppe dazu gestoßen, habe aber mit der Arte-Redakteurin Barabara Häbe und meiner betreuenden Professorin Helke Misselwitz zwei hilfsbereite und starke Persönlichkeiten kennen gelernt, die mir geholfen haben die spitzen Klippen der Produktion recht unbeschadet zu umschiffen.
Da wir uns entscheiden konnten ob wir den Film nach einem Exposé auf Improvisationsbasis oder einer Drehbuchvorlage realisieren wollten, holte ich den deutschen Drehbuchautoren Jonas Grosch ins Team. Er schrieb anhand meines Exposés innerhalb einer Woche (!!) die erste Fassung des Buches. Ich war begeistert. Das Besondere daran war, das er selbst noch nie in Polen gewesen ist und somit all die kleinen Vorurteile mitbrachte, die auch die beiden Hauptfiguren den Polen gegenüber zu Beginn des Filmes hegen.
Mit der ersten Buchfassung begann ich ein Team für den Film zusammenzustellen. Moritz Wessendorff von Heimatmedien übernahm die Produktionsleitung. Tatkräftig unterstützt wurde er von Aleksandra Kuzminska Wojtyllo - meiner Mutter – die sich bereit erklärte ihre polnischen Kontakte zu mobilisieren und uns insbesondere mit den Motiven und Drehgenehmigungen in Polen zu helfen. Da sie selbst schon lange im Filmbereich tätig ist, übernahm auch das Casting der polnischen Schauspieler. Aufgrund des geringen Produktionsbudgets spannten wir meine ganze polnische Familie ein. Tanten, Onkel, Cousinen, Cousins und Großmütter – alle mussten helfen. Mein Vater Ryszard Wojtyllo, selbst Schauspieler und Theaterregisseur bekam die Rolle des Bürgermeisters. Meine Cousins - die allerdings noch nie gespielt hatten - die Rollen seiner Gehilfen. Tanten und Onkel und Cousinen wurden für kleine Rollen am Weihnachtsabend besetzt.
Dennis Pauls, ebenfalls Student an der HFF wurde als Kameramann eingespannt. Armin Mark Mobasseri für das Making-Of und die Second Unit Kamera. Die Szenografie übernahm Peter Wolf der bereits Erfahrung mit Dreharbeiten in Polen hatte und für das Kostüm konnten wir die Nina Traiser gewinnen.
Für die zweiten Fassung konfrontierten Jonas und ich die deutschen Protagonisten mit meinen polnischen Figuren. Dazu fuhren wir gemeinsam auf Recherchetour nach Schlesien. Leider mussten wir den Aufenthalt verkürzen. Der plötzliche Wintereinbruch hinderte uns daran die geplanten Motive zu erreichen. Ich parkte das geliehene Auto auf noch galant im Graben. Gott sei Dank ohne weitere Folgen. Aber wir waren uns sicher: Tiefschnee in Polen – Kein Problem - Wir würden den Film in der traumhaftesten Märchenwinterlandschaft drehen können.
So schrieben wir die zweite Fassung also in Berlin. Jonas kümmerte sich um die Hauptfiguren und ich entwickelte die Dialoge für den polnischen Cast.
Es war Ende Dezember und wir drehten schließlich einen Weihnnachtsmärchen. Was bot sich da besser an, als Heiligabend bei meiner Familie in Breslau zuverbringen... Moritz, Dennis, Armin, Nina und ich fuhren also gesammelt in mittlerweile schneefreie Polen und ergatterten sogar einige dokumentarische Aufnahmen von der Mitternachtsmesse (die leider dem Schnitt zum Opfer fielen) sowie wunderbar kitschige Bilder von einem mechanischen Krippenspiel aus dem Breslauer Dom, welche nun das Kernstück unserer Serenade geworden sind.
Mitten in dieser Phase erfuhr ich, dass ich mit dem Film auch noch mein Diplom an der HFF machen müsste. Meine Studienzeit näherte sich dem Ende und die Zeit für ein weiteres Projekt an der HFF würde nicht mehr ausreichen.
Nun hieß es also ranklotzen. Wir begannen mit dem Casting der Hauptdarsteller.
Unter all den wunderbaren Schauspielern die wir baten Szenen aus dem Buch zu improvisieren, fanden wir zwei junge Perlen. Sebastian Schwarz und Claudia Eisinger. Damals beide noch mitten in der Ausbildung an der Ernst-Busch, aber perfekt für die Rollen von Max und Anna. Die Tatsache, dass die beiden in der gleichen Schauspielagentur wie ich waren, hatte zwar wirkllich keinerlei Auswirkung auf meine Entscheidung, machte die Sache aber noch familiärer als sie sowieso schon war. Ein gutes Omen also. Für die Rolle des polnischen Pfarrer konnten wir Christoph Leszczynski gewinnen. Meine Traumbesetzung, denn schon während des ersten Exposés tänzelte Christoph, mit dem ich bereits in „Hog Heaven” und „Kuckuck” zusammen gearbeitet habe, gedanklich über meine Tastatur. Die Schauspielerin Bozena Baranowska, sollte den Part von Frau Sobieska übernehmen. Auch sie kannte ich noch aus frühster Kindheit. Sigrid Siewior, die bereits als Muse in „Hog Heaven” ihrer Durchsetzungskraft bewiesen hatte, war perfekt für die Rolle der Dorf-Wirtin. Ein wunderbar schräges Ensemle.
Die dritte Buch-Fassung stand erst kurz vor den Dreharbeiten. Wir machten mit Peter, dem Szenografen und Moritz noch einen letzten Recherchetrip in der Region um Jelenia Gora und dann fiel auch schon die erste Klappe am Grenzübergang Görlitz. Das Team war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal komplett, denn der polnische Teil sollte erst in Jelenia Gora zu uns stoßen. Um den Original Ton kümmerte sich Zofia Golembiowska , die Maske übernahm Agnieszka Nowak, Patryzja Pochwat half als Produktionsassistentin. Set-AL wurde Jarek Nalewajko, der ebenfalls aus Warschau war. Die Sandfotografie übernahm Darek Gontarski. Als Oberbeleuchter sprang Jarek Bedyk, aus Lodz ein. Meine Regieassistentin Marta Swiderska konnte zwar leider nur ein paar Tage bleiben, war in dieser Zeit aber eine wundervolle Hilfe. Den polnischen Cast hatten wir bereits auch vollständig zusammen. Der polnische Serienstar Andrzej Galla spielte die Rolle des Hausherren „Jan Sobieski”, Lucja Burzynska wurde als „Oma Sobieski” besetzt, Henryka Baldy als Dorf-Oma und den Auftritt der „scharfen Tochter” bekam Malgorzata Sadowski.
Wunderbarerweise konnten wir Katharina Wackernagel für die Darstellung des Wodka-Königs gewinnen. Die Rolle war eigentlich für einen Mann geschrieben, aber Jonas und ich fanden, dass es eigentlich noch absurder wäre, wenn die Figur nicht nur weiblich wäre, sondern auch noch schwanger ist und Kette raucht.
Dummerweise waren die Tage unseres Rechercheaufenthaltes mit Jonas anscheinend die einzigen mit Schnee und Winterstimmung gewesen. Die Bauern erzählten uns der Klimawandel sei diese Jahr extrem spürbar. Obwohl es zu Weihnachten schon in den letzten Jahren nicht immer geschneit habe, sei in diesem Jahr sogar der schneesichere Februar ausgefallen. Es half also nichts. Wir schnippten den letzten Schneematsch aus den Bergen in blaue Müllsäcke und fuhren ihn runter nach Kzewie Wielkie, unserem Motiv für die Kneipe, um wenigstens am Anfang des Filmes etwas Schnee zu „spüren“. Diese Lösung war allerdings recht kurzfristig und so mussten wir die Tatsache der „Klimaveränderung“ in die Texte von Anna und Max einbauen. Eine Schneemaschine wäre teurer gewesen als unser gesamtes Produktionsbudget...
Die Dreharbeiten verliefen trotz fehlendem Schnees – der uns sicher die Logistik noch mehr erschwert hätte – zäh und mühselig. Die fiese, feuchte Kälte (die man leider nicht in den Bildern sehen kann) brachte nicht nur mir eine üble Bronchitis, sondern dem gesamten Team eine böse Grippe. Wir richteten ein Quarantäne-Zimmer in der Herberge ein. Doch auch das half nichts. Schließlich wurde alle krank, doch drehen mussten wir trotzdem. Auch das Abhärten mit Wodka half nicht mehr.
Die Sprachbarriere zwischen den Polen und Deutschen, war ebenfalls größer als anfänglich angenommen. Doch Kälte und Not verbindet und so entwickelte sich aus dem Deutsch-Polnischem Patchwork, schließlich doch ein - zwar chaotischer - aber hoch motivierter und lustiger Haufen. Da die Zeit für eine Auflösung nicht gereicht hatte, mussten Dennis und ich spontan Vorort entscheiden wie wir was drehen.
Der absurdeste Moment während der Produktion war wohl, als uns - zwei Tage vor dem Dreh - das Motiv der Polizeiwache weggebrochen ist. Die „Dynamische Politik“ in Polen ist eben etwas „dynamisch“. Es hieß also schnell handeln. Geld für andere Uniformen gab es nicht, Nachbauen des Sets wäre finanziell und zeitlich ebenfalls nicht gegangen. Was tun? Das Problem an der Sache war das die polnischen Schauspieler, die die Polizisten gegeben sollten, kein Wort Deutsch sprachen. Tadeusz Wnuk, Jacek Grondowy und Robert Dudzik vom Theater in Jelenia Gora, hatten die Texte wochenlang phonetisch auswendig gelernt. Textänderungen waren also nicht drin. So steckten wir sie schließlich in Anzüge und drehten die Szene auf einem „Kohle-Schrottplatz“ ähnlichem Set. Aus den Polizisten wurden Schutzmänner....im weitesten Sinne....die Texte aber blieben , bis auf einen neuen Satz den Tadeusz Wnuk von einem Zettel (den wir an die Brust von Sebastian Schwarz getaped haben) abgelesen hat, die selben. Im nach hinein war das super für den Film. Und was nicht tötet, härtet bekanntlich ab.
Alles in allem war vielleicht die Geschichte des Filmes nicht improvisiert, dafür aber ihrer ganze Entstehung und insbesondere die Dreharbeiten. Vielleicht war ist dies der Grund, weshalb der Film nun eine, in der deutschen Kinolandschaft leider seltene, Frische und Leichtigkeit besitzt. Ich liebe „Polska Love Serenade“ eben für diese unprätentiöse und charmante, durch die geringen Produktionsmittel natürlich auch etwas kantige, dafür aber ehrliche und herzliche Atomsphäre.
Und...den nächsten Spielfilm...den drehe ich nicht unter 1.000.000 Euro. ;)
